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Vergangenheit loslassen

Vergangenheit loslassen

Vergangenheit loslassen? Fragt man einige Menschen, was ihre Ziele sind, so hört man oft undifferenzierte Aussagen und oberflächliche Antworten. Wenn sie gefragt werden, warum sie sich überhaupt keine höheren Ziele im Leben gesetzt haben, flüchten sie in Ausreden á la „Ich bin halt so!“, „Ich hatte eine schlechte Kindheit“, „Niemand glaubt an mich“, „Wieso sollte ich?“. Aber Platz 1 unter den Ausreden, um nichts an seinem Leben ändern zu müssen, ist der tief verwurzelte Glaube, dass einem viel Unrecht in der Vergangenheit angetan wurde. „Hätten meine Eltern mehr an mich geglaubt, dann wäre mein Selbstvertrauen viel größer“ hört man sie reden. Sie können ihre Vergangenheit nicht loslassen. Gedanken wie „Meine Eltern sind an allem Schuld“ gehört zu dem täglichen Mantra derer, die nichts in ihrem Leben verändern wollen.

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Männer, die so reden, schieben die Verantwortung über ihr Leben auf ihre Vergangenheit ab und binden sich somit selbst die Hände zu. Sie meinen dann, nichts an ihrer misslichen Lage ändern zu können und drängen sich selbst in die Opferrolle.

 

Wer anderen die Schuld an seiner Lage gibt, kann auch nichts daran ändern.

 

Mit dem Glaubenssatz, alle anderen wären schuld am eigenen Versagen, verharren Männer dann solange in der Komfortzone, bis sie durch psychosomatische Beschwerden merken, dass etwas schief läuft in ihrem Leben oder sie spielen das Opferspiel solange, bis sie sterben, ohne jemals wirklich gelebt zu haben. Und das alles nur, weil sie nicht die Ereignisse in ihrer Vergangenheit loslassen können.

Vergangenheit loslassen: Meine eigene Geschichte

Auch ich spielte dieses Opferspiel und konnte nicht meine Vergangenheit loslassen. Dass ich es als Jugendlicher nicht schaffte, mir einen vernünftigen Freundeskreis aufzubauen, schob ich darauf, dass mein Vater berufsbedingt oft umzog. Dass ich lange Zeit nicht hinter mir und meinen Entscheidungen stehen konnte, schob ich auch auf meinen Vater. Mein Vater war wie viele andere Väter physisch abwesend und wir waren immer anderer Meinung. Ich dachte mir, dass er daran schuld ist, dass ich so aggressiv und unzufrieden gewesen bin. Meine Kindheit nahm ich als Ausrede dafür, mich nicht ändern zu müssen.

Doch ich begriff nicht was ich da genau tat, ich fühlte nur tief in mir diese Befriedigung. Solange mein Vater die Schuld für mein Versagen im Leben trug, solange konnte ich mich zurücklehnen und entspannen. Ich konnte die Signale des Lebens, die mich aufforderten selbstbestimmt und glücklich zu leben, ignorieren. Ich wurde gemütlich darin, mich ungemütlich zu fühlen.

Die Kehrseite

Doch wie fast alles im Leben, hatte auch dies seine Kehrseite. Obwohl ich mich entspannen konnte und nichts an meinem Leben ändern „musste“, weil ich die Verantwortung abschob, konnte ich genau so wenig etwas an meinem Leben ändern. Wer die Schuld in anderen sucht, gebt die Macht ab, selbstbestimmt und frei zu leben. Wer sagt, dass andere ihm im Weg stehen, entscheidet sich selbst dafür, keinen Umweg um diese Menschen zu gehen. Du kannst dein Leben nicht formen, wenn du nicht siehst, dass du dir alles in erster Linie selbst antust.

Ich spielte das Spiel solange mit, bis mein Vater starb. Erst als er starb, realisierte ich, dass er nie die Schuld dafür trug. Ich konnte mich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr belügen.

Und viele Menschen machen es immer noch so. Sie suchen sich Aussagen und Taten ihrer Eltern, ihrer Expartner oder ihrer Freunde und schieben dann ihre eigene Unzulänglichkeit darauf ab und entmündigen sich selbst. Sprüche wie ‚Hätte meine Expartnerin mich nicht betrogen, dann könnte ich heute anderen Frauen vertrauen‘ sind routinierte Gedanken der vermeintlichen Opfer. Ja, die Expartnerin hat einen vielleicht betrogen, aber wieso soll deine neue Partnerin, die sich so viel Mühe gibt darunter leiden. Findest du das fair?

 

Vergangenheit loslassen und nicht als Ausrede nutzen

Diese Geschichte beschreibt ein Experiment in den USA.
Zwei Zwillinge kamen auf die Welt und wurden der Obhut ihres alkoholsüchtigen Vaters überlassen.
Nach 20 Jahren besuchten die Forscher die Zwillinge erneut, um Unterschiede festzustellen. Und die Unterschiede waren sehr groß.
Einer der Zwillinge hatte es weit geschafft, er war in einem namenhaften Unternehmen gelandet und arbeitete an seiner Karriere. Der andere Zwilling war das Ebenbild seines Vaters geworden: Er war arbeitslos und ein Alkoholiker geworden.
Obwohl die beiden Zwillinge den selben Vater hatten und die selbe Erziehung genossen, wichen die Werdegänge stark voneinander ab.
Als man die Zwillinge daraufhin separat befragte, wie es denn dazu kam, dass sie so wurden wie sie waren, gaben beide Zwillinge die selbe Antwort:

„Was konnte ich anderes werden, mit so einem Vater wie meinen?“

Während der eine Zwilling seinen Vater als Ausrede nahm und nicht seine Vergangenheit loslassen konnte, nahm der andere Zwilling seinen Vater als Motivation, um nie so zu werden wie er.

 

Nur du entscheidest, wie deine Vergangenheit dich beeinflusst!

 

Nicht überzeugt?

Wer ein weiteres Beispiel dafür sucht, sollte sich folgende Kurzgeschichte durchlesen:

Sie ist die ungewollte Tochter zweier minderjähriger Eltern. Sie wird im Alter von neun Jahren immer wieder sexuell missbraucht. Mit 14 Jahren wird sie schwanger. Ihr Kind stirbt kurz nach der Geburt. Daraufhin nimmt sie eine lange Zeit Drogen und wird esssüchtig. 
Nach einigen Jahren beginnt sie ihre Karriere als Nachrichtenmoderatorin und steigt auf bis zur Talkshow-Moderation. Sie ist heute eine der mächtigsten Frauen der USA. Ihr Name?

Oprah Winfrey.

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