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Sucht loswerden: So überwindest Du Deine Sucht

Sucht loswerden – Meine Meinung

Als jemand, der selbst viel mit dem Thema „Sucht loswerden“ zu tun hatte, hier meine Meinung dazu:

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„Nichts kann das Leben mehr erschweren, als der Glaube, wir könnten etwas in uns nicht kontrollieren.“
– Elias Green

 

Sucht loswerden – Interview mit Julien

Im folgenden, ein Gespräch mit Julien*, einem guten Freund, der zum Thema Sucht loswerden einiges zu berichten hatte.

Julien*:
„Schon als ich klein war, habe ich bemerkt, dass ich irgendwie anders bin als die meisten Jungs. Ich hatte mich ständig im Zimmer eingeschlossen, während alle anderen Jungen draußen Fußball spielten. Ich fühlte mich nicht so, als ob ich dazugehören würde, ich dachte immer, alle Anderen außer mir wüssten, wie das Leben funktioniert.

Ich fühlte mich unfähig, selbst mein Vater sagte mir nur ‚Ich kann dir keine Freunde kaufen, geh einfach raus!‘ Zum Glück hat er mir eines Tages einen Computer gekauft. Seitdem war ich fast täglich mindestens 6 Stunden am Computer, sogar unter der Woche. Ich wurde richtig gut in Videospielen. Irgendwann, als ich älter wurde, fingen die Jungs aus meiner Stufe an, die Mädchen zu daten oder auf Partys zu gehen. Die meisten schienen sich schon für Sex zu interessieren, einige waren sogar keine Jungfrauen mehr.

Ich fühlte mich wirklich als Außenseiter, weil ich viel lieber auch auf eine Party gegangen wäre und ein nettes Mädchen kennengelernt hätte, aber stattdessen die meiste Zeit vor dem Computer verbrachte. […] Eines Tages zeigte mir ein Freund zum allerersten Mal eine Pornoseite. Ich war baff. Ab da ging es bei mir richtig bergab, so im Nachhinein betrachtet. Ich weiß nicht wieso, doch nach dem Masturbieren blieb trotzdem dieses dumpfe Gefühl im Hintergrund.

Ich habe alle meine Bedürfnisse ertränkt. Zum Beispiel hatte ich oft Lust ein Mädchen zu daten, aber dieser Gedanke machte mir Angst und nachdem ich zu einem Porno masturbiert hatte, hatte ich keine Angst mehr, aber auch keine Lust mehr auf ein Mädchen. Masturbation schien mein Heilmittel für alles zu sein, auch wenn ich im Nachhinein erst merke, wie unglücklich es mich wirklich gemacht hat. Ich habe auch oft drüber nachgedacht, ob ich diese Sucht loswerden sollte, doch ich hatte ja keine Ahnung, was ich da mit mir machte.

[…] Ich habe bis heute noch keine einzige Freundin gehabt und ich schäme mich dafür. Aber wofür ich mich noch mehr schäme, ist, dass ich einfach nicht von diesen Pornos wegkomme, egal, wie oft ich es versuche. Mein Leben geht echt den Bach hinunter… Ich wünschte, dieser Freund hätte mir nie so etwas gezeigt.“
*Name abgeändert

 

Sucht loswerden – Die Sucht verstehen

Viele Menschen sind wie Julien, sie denken, sie müssten ihre Sucht alleine bewältigen. Doch kann man wirklich alleine raus aus der Sucht? Bevor wir fragen, wie wir eine Sucht loswerden können, müssen wir uns erst einmal fragen: Wie entsteht Sucht? Es gibt viele verschiedene Formen der Sucht. Sucht nach Drogensucht und Alkoholsucht sind uns bekannt, Masturbationssucht und Social-Media-Sucht eher unbekannt. Sucht man im Internet zu Wege aus der Sucht Erfahrungsberichte, dann sehen wir, dass viele Menschen unter Süchten leiden, nicht nur jene, die ihre Drogensucht bekämpfen wollen.

Zunächst einmal: Süchte sind keine sinnlosen Handlungen. Süchte dienen als Bewältigungsstrategien, die von uns gewählt und geschaffen wurden. Süchte funktionieren wie Gewohnheiten, allerdings mit dem Unterschied, dass sie aus langfristiger Perspektive verheerende Auswirkungen haben. Süchte sind die Gründe dafür, dass wir uns nicht weiterentwickeln können, sondern in unserer Komfortzone verharren.

Um aufzuzeigen, wie Süchte funktionieren, um schlussendlich auch die Sucht loswerden zu können, wähle ich das Habit-Loop-Model von Charles Duhigg. In seinem Buch erklärt er, dass alle Gewohnheiten, wie auch Süchte, die selben 3 Schritte durchlaufen:

Sucht loswerden Gewohnheit

Um diese Schritte anhand eines Beispiels zu verdeutlichen, analysieren wir die Geschichte von Julien:

  1. Der Auslöser: Julien verspürt den Drang, ein Bedürfnis zu erfüllen. Dieser Drang macht ihm Angst und verunsichert ihn. Diese Angst und Unsicherheit sind der Auslöser für die Routine.
  2. Die Routine: Da Julien es nie gelernt hat, mit Angst und Unsicherheit effektiv zurecht zu kommen, besteht seine Routine seit Jahren darin, sich an den Schreibtisch zu setzen, einen Porno zu suchen und zu masturbieren.
  3. Die Belohnung: Nach Ende der Routine wird Dopamin in Juliens Gehirn ausgeschüttet. Dieses Dopamin ist die Belohnung und gaukelt Julien vor, dass alles in Ordnung sei, da er ja gerade Glücksgefühle verspürt. Es beruhigt ihn kurzfristig und verdrängt somit die Angst und Unsicherheit. 

Julien hat also nicht gelernt, mit seinen Gefühlen langfristig klarzukommen und hat eine Bewältigungsstrategie gewählt, die nur kurzfristig wirkte. 

Die Dynamiken einer Masturbationssucht können genau so gut auf eine Alkoholsucht, eine Videospielsucht und auch auf eine Social-Media-Sucht übertragen werden. 

 

Sucht loswerden – Überwinde die Sucht

Eine Sucht zu überwinden ist mitunter eines der schwierigsten Aufgaben im Leben eines jeden Menschen. Das Gehirn ist nicht bereit, bestimmte Gewohnheiten aufzugeben, die uns mit minimalem Aufwand hohe Dopamin-Mengen ausschütten. Das Gehirn denkt kurzfristig und sucht immer den leichtesten Weg.

Wann immer wir eine Sucht bekämpfen wollen, wird unser Gehirn alles Mögliche dafür tun, um uns dazu zu verleiten, der Sucht nachzugeben. Dadurch wird es für uns schwieriger, die Sucht überwinden zu können, da wir gegen uns selbst handeln müssen.

Die beliebteste Strategie des Gehirns ist es, Zweifel zu säen. Zum Beispiel versuchen wir unsere Alkoholsucht zu bekämpfen, stoßen zufällig auf einen Artikel im Internet, der behauptet, dass es gesund sei, ein Glas Wein pro Tag zu sich zu nehmen und schon werfen wir unseren Wunsch nach Abstinenz über Bord. 

Es existieren verschiedene Techniken, die es uns erlauben eine Sucht bekämpfen zu können. Meiner Meinung nach ist eine der erfolgreichsten Techniken, um eine Sucht zu überwinden, die folgende:

Nur die Routine ersetzen 

Zunächst sollten wir unsere Sucht bildlich darstellen, am Besten auf einem Blatt Papier. Hierzu analysieren wir alle möglichen und uns bekannten Auslöser und die dazugehörigen Belohnungen, die mit der schlechten Routine (also der Sucht) zusammenhängen. Als Beispiel:

Sucht loswerden - Gewohnheit ändern

 

Haben wir nun die Auslöser und Belohnungen analysiert, so entwickeln wir eine gute Routine, die unsere schlechte Routine ersetzt. Hierbei achten wir darauf, dass wir nur die Routine ersetzen. Die Belohnung sollte in etwa dieselbe sein. Als Beispiel:

Sucht loswerden - Gewohnheiten ändern

 

Sucht loswerden: ToDos, um deine Sucht überwinden zu können

  • Mache ein Mapping deiner Sucht und überlege dir sinnvolle Alternativen, durch die du sie ersetzen kannst. Wann immer du den Auslöser spürst, entscheide dich für die gute Routine. Am Anfang wird dies noch Kraft kosten, doch mit der Zeit benötigst du immer weniger Willenskraft dafür.

Ich empfehle für dieses Thema das Buch von Eckhart Tolle ‚Jetzt! Die Kraft der Gegenwart‘. Es hilft dabei, die Gedankenimpulse zu verstehen und sie einfach nur zu beobachten, anstatt auf sie zu reagieren. Dadurch löst sich meistens auch das Verlangen, einer Sucht nachzugeben und Betroffene können leichter ihre Sucht loswerden. Des Weiteren empfehle ich das Buch ‚Die Macht der Gewohnheit‘ von Charles Duhigg, es dient dem Verständnis über die Dynamiken einer (schlechten) Gewohnheit.

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