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Reframing – Die Kunst der Führer

Reframing – Szenario

Stellen wir uns folgende Situation vor:

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Baressen

Wir sitzen mit unseren neugewonnen Freunden in einer Bar und essen mit ihnen. Wir fühlen uns gut, genießen unseren Burger und plötzlich kommt unsere Ex-Freundin vorbei. Sie sieht uns von Weitem neben zwei Freundinnen sitzen, geht auf uns zu und sagt vor allen Beteiligten: „Du musst mich nicht jeden Abend 5 Mal anrufen, das nervt langsam!“ Geschockt von dieser Unterstellung und aus Angst, dass diese Lüge uns blamieren könnte, entgegnen wir ihr nervös: „Das.. das stimmt doch gar nicht?! Ich habe dich seit unserer Trennung kein einziges Mal angerufen!“

Auch wenn wir sie kein einziges Mal angerufen haben, welches Bild entsteht wohl in den Köpfen aller Beteiligten?
„Oh, der hängt noch an seine Ex“
„Der Arme, der kann sie bestimmt nicht vergessen“
„Wieso ist es ihm so peinlich, einfach zuzugeben, dass er sie so oft angerufen hat?“
„Irgendwie wirkt er total verzweifelt.. 5 Mal an einem Abend?!“

 

Reframing – Was ist Framing?

Was die fiktive Ex-Freundin in diesem Beispiel betrieben hat nennt man in der Psychologie „Framing“. Das heißt, sie hat durch Sprache eine Realität in den Köpfen aller Beteiligten erzeugt. Framing kommt vom Begriff „Frame“, gemeint ist also der Rahmen, durch den wir die Realität betrachten.

Das Tückische an Framing ist, dass der Angegriffene sich nur schwer davon befreien kann, wenn er die Situation nicht reframen kann, also den Rahmen bzw. die Sichtweise neu ausrichten kann. Denn jeder Widerstand, jedes „Nein, das stimmt doch gar nicht!“, führt dazu, dass die erzeugte Realität an Stärke gewinnt, auch wenn sie nicht wahr ist.

Das Prinzip des Framings tritt beispielsweise auch dann auf, wenn wir jemandem unterstellen, er sei angetrunken. Es ist irrelevant, was er danach noch sagt oder tut, unterbewusst stempeln wir es als die Handlungen eines Angetrunkenen ab: Wir betrachten ihn aus dem Rahmen eines Angetrunkenen, er würde nur schwer aus dieser Rolle herauskommen.

Framing funktioniert nur deshalb so effektiv, da der Angreifer den Beteiligten nur Teilinformationen zukommen lässt. Ein direkter Angriff würde vom Verstand zu schnell als Lüge entlarvt werden, daher verzichtet der Angreifer auf den direkten Angriff und verstreut lieber viele kleine Informationen, die vom Verstand der anderen zu einem Bild zusammengesetzt werden. Aus diesen Teilinformationen bildet sich automatisch eine Überzeugung. Weil wir die absichtlich hingelegten Puzzleteile zusammensetzen, denken wir, dass wir es sind, die zu dieser Überzeugung gelangt sind und diese Tatsache macht es uns schwer, unsere Überzeugung loszulassen.

Framing wird heutzutage in unserer Gesellschaft oft angewendet: Wenn beispielsweise die Medien immer wieder Teilinformationen oder Falschinformationen, die sie später wieder dementieren, über Muslime in Deutschland verbreiten. Sie verzichten absichtlich darauf, die Muslime direkt anzugreifen, legen aber die Puzzleteile absichtlich so hin, damit die Zuschauer zu der Überzeugung gelangen, dass Muslime böse sind. Die Zuschauer kombinieren auf den ersten Blick zusammenhanglose Aussagen wie „Terror“ und „Gehört der Islam zu Deutschland?“ und gelangen dann zu der Überzeugung „Islam = Terror“.

Die folgenden Bilder vereinfachen die Darstellung der Funktionsweise von Framing.

Aus diesem Bild:

Zufällig

werden genau diese Punkte gezeigt:

Frame - gezielt

Vereinfacht gesagt funktioniert Framing so: „Hier hast du meinen gezielt ausgesuchten Fakt A, hier hast du meinen gezielt ausgesuchten Fakt B. Natürlich steht es dir *hust* frei *hust*, dir deine eigene Meinung (also den Rahmen) zu bilden.“

 

Reframing – Die Kunst, Realitäten zu verändern

Ok, jemand unterstellt uns also etwas. Er sucht sich also gewisse (Falsch-)Informationen aus, die er dann verbreitet. Als Beispiel nehme ich die obige Situation: Unsere Ex-Freundin behauptet, wir hätten sie 5 Mal an einem Abend angerufen.

Wie bereits oben beschrieben, hilft es nicht, Widerstand gegen diese Realität aufzubauen und es abzulehnen. Der Widerstand würde nur dazu führen, dass wir uns immer noch im selben Rahmen des Angreifers bewegen: Dies würde die Überzeugung nur weiter verstärken.

Also, wie können wir vorgehen? Um ein wenig Entertainment in diesen Beitrag zu streuen, schauen wir uns die Techniken des KungFu genauer an. KungFu?! Ja, KungFu! Im KungFu geht es darum, die Energie des Gegenübers zu nutzen. Ein erfahrener KungFu-Kämpfer wird entweder einen Angriff mit der Energie des Gegenübers umleiten oder er wird den Angriff ins Leere laufen lassen. Aber niemals wird er einen Frontalangriff mit einem Frontalangriff bekämpfen.

Und so, wie im KungFu gekämpft wird, so können wir auch im richtigen Leben die Framing-Attacken der Anderen abwehren:

Option 1: Wir wenden keine Energie für den Angriff auf und lassen ihn ins Leere laufen. Wir geben dem Angriff keine Aufmerksamkeit und somit keinen Raum, sich zu entfalten. Was wir nicht beachten, wird nicht größer. Was nicht größer wird, kann uns nicht bedrohlich werden.

Option 2: Wir nehmen den Angriff an und verändern die Richtung, um den Angriff zurückzuschicken. Wir geben dem Angriff Aufmerksamkeit, wir nehmen ihn an, lenken ihn jedoch durch unsere Informationen wieder zurück zum Angreifer.

Wie beide Optionen in einem Beispiel aussehen können, seht ihr im folgenden Beispiel.

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Reframing – Beispiel

Nehmen wir das obige Beispiel: Unsere fiktive Ex-Freundin erweckt durch ihre Aussage den Anschein, als seien wir noch in sie verliebt und würden ihr verzweifelt hinterher rennen. Im Folgenden wird die verbale und nonverbale Kommunikation wiedergegeben.

Option 1

Wir wenden keine Energie für den Angriff auf und lassen ihn ins Leere laufen.

Sie: „Du musst mich nicht jeden Abend 5 Mal anrufen, das nervt langsam!“

Wir: *schauen sie gelassen an* „Ah, ok.“ *drehen uns wieder zur Gruppe um und führen unser Gespräch weiter mit einem Freund*

Mit dieser Einstellung zeigen wir, dass es uns unwichtig ist. Wenn die Gruppe sieht, dass wir darauf gelassen reagieren und es gekonnt ignorieren, gelangt die Gruppe zu der Überzeugung, dass die Aussage der Ex-Freundin gar nicht stimmen kann, denn sonst hätten wir ja anders reagiert. 

 

Option 2

Wir nehmen den Angriff an und verändern die Richtung, um den Angriff zurückzuschicken.

Sie: „Du musst mich nicht jeden Abend 5 Mal anrufen, das nervt langsam!“

Wir: *schauen sie gelassen an* „Achso, ja. Deine Mutter meinte, ich soll dir deine Diddl-Sammlung zurückgeben, da du ohne sie, ich zitiere, ’nicht leben könntest‘  *wir grinsen* „Hab‘ mir Sorgen gemacht und wollte die Dinger ja nicht wegschmeißen.“

Mit dieser Antwort gelangen alle Beteiligten zu der Überzeugung, dass wir unsere Ex-Freundin nur angerufen haben, um ihr etwas zurückzugeben. Auch wenn wir sie niemals angerufen haben. Jedoch kann und wird die Ex-Freundin niemals entgegen „Stimmt gar nicht, weil du mich nie angerufen hast!“, denn damit würde sie ihren eigenen Standpunkt angreifen.

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Reframing – Meine Tipps an dich

  • Schaue dir den Beitrag „Nichts persönlich nehmen – Inneren Frieden finden“ an. Aussagen nicht persönlich zu nehmen ist ein wichtiger Punkt, um sie reframen zu können.
  • Kein Mensch ist wirklich böse. Die meisten Aussagen werden ohne böse Absicht gestellt, daher musst du nicht bei jeder Aussage des Gegenübers in Deckung gehen. Du musst nur wissen, dass wenn es mal zu einer Frame-Attacke kommt, du gelassen bleibst, da du weißt, wie du reagieren kannst.

 

Zu guter letzt möchte ich auf ein Buch aufmerksam machen. Dieses Buch wurde in den 70er bis 90ern allen Managern empfohlen, um ihre Konfliktlösungsfähigkeit und ihre Belastbarkeit zu trainieren.
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