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Nichts persönlich nehmen – Inneren Frieden finden

Nichts persönlich nehmen – Szenario

Nehmen wir einmal an, dass eine gewisse Situation X entstanden ist. Wir werden nun vor die Wahl gestellt: Entweder entscheiden wir uns für Option A oder für Option B, welche wir als Hintergrund zur Situation wählen.

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Option A – Dinge persönlich nehmen

Option A beinhaltet, dass wir die Situation persönlich nehmen. Da wir nicht wissen, warum Situation X entstanden ist, wir uns aber dafür entscheiden, es persönlich zu nehmen, passiert Folgendes:

  • Wir fühlen uns angegriffen und verletzt, da wir keine Distanz zum Geschehen aufbauen können. 
  • Unser Selbstbewusstsein sinkt.
  • Wir verspüren Angst und das Gefühl der Inkompetenz.
  • Da wir dazu neigen, Situationen persönlich zu nehmen, empfinden uns unsere Gesprächspartner als Belastung: Sie müssen zusätzliche Energie aufbringen, um uns mit Samthandschuhen anzufassen. Dies ist ein wichtiger Punkt: Wenn Menschen es als bedrückend oder unangenehm empfinden, mit uns zu sprechen, dann liegt es zu einem großen Teil daran, dass wir sie einengen durch diese innere Haltung des Persönlichnehmens.

Wir geraten in die Opferposition, sind handlungsunfähig, da wir uns gefühlt in einer Schockstarre befinden und sind passiv-reagierend: Wir kreieren nicht mehr das Leben, sondern lassen uns mitschleifen.

 

 

Option B – Nichts persönlich nehmen

Option B beinhaltet, dass wir die Situation nicht persönlich nehmen. Da wir nicht wissen, warum Situation X entstanden ist und wir uns dafür entscheiden, es nicht persönlich zu nehmen, passiert Folgendes:

  • Wir fühlen uns nicht angegriffen, sondern entspannt, da wir eine gesunde Distanz zum Geschehen aufbauen können.
  • Unser Selbstbewusstsein bleibt auf dem gleichen Level (und kann sogar steigen, wenn wir angemessen auf die Situation reagieren).
  • Wir fühlen uns entspannt, überlegen und wirksam, da wir wissen, dass unser Wert nicht von unkontrollierbaren Zuständen abhängig ist.
  • Wir sind eine Bereicherung für Andere: Andere müssen uns nicht mit Samthandschuhen anfassen und können uns ihre Geheimnisse und Gefühle anvertrauen.

Wir geraten in die Macherposition, sind handlungsfähig (da wir entspannt über eine Lösung nachdenken können) und sind aktiv-agierend: Wir agieren und erschaffen mit unserer Reaktion eine neue Situation.

Nichts persönlich nehmen

 

 

Nichts persönlich nehmen – Beispiel

Zur Veranschaulichung wird das folgende Beispiel gewählt: Wir treffen uns mit Freunden in einer Bar. Ein Freund in der Gruppe ignoriert uns. Hat er doch vorher immer freundlich und aufmerksam mit uns geredet, so wirkt er nun distanziert und kühl.

Option A: Wir nehmen es persönlich.
Was passiert?

  • Da wir diese Situation persönlich nehmen, fühlen wir uns angegriffen.
  • Gleichzeitig verspüren wir Verlustangst. Aufgrund dieser Verlustangst, wagen wir es nicht, ihm zu sagen, dass er uns gegenüber sehr unfreundlich ist.
  • Wir haben das Gefühl, uns nicht wehren zu können und der Situation hilflos ausgeliefert zu sein.
  • Wir verspüren Schuld: Wir denken, dass uns das passiert ist, weil wir etwas Falsches gemacht haben bzw. „falsch“ sind. Gleichzeitig zerbrechen wir uns den Kopf darüber, was wir wohl gemacht haben und wie wir es lösen können.
  • Während wir innerlich immer unruhiger werden, fangen wir an, wütend auf unseren Freund zu sein, aber vor Allem wütend auf uns zu sein, da wir uns als handlungsunfähig empfinden. Wir machen ihn verantwortlich für unsere Gefühle „So ein Dummkopf! Was habe ich ihm getan? Wieso geht er vor allen anderen so mit mir um?!“
  • Wir werden sensibel und aus dieser emotionalen Lage heraus handeln wir impulsiv: Entweder ignorieren wir unseren Freund mit böser Absicht oder wir steigern uns so sehr rein, dass wir es in Betracht ziehen, ihm die Freundschaft zu kündigen.

Und das alles passiert, weil wir uns entschieden haben, die Situation persönlich zu nehmen.

 

Option B: Wir nehmen es nicht persönlich.
Was passiert?

  • Da wir unseren Freund gut kennen, wissen wir, dass er normalerweise nicht so distanziert und kühl mit uns umgeht.
  • Wir überlegen uns, ob er einen schlechten Tag hatte und fragen ihn, ob alles in Ordnung ist und ob er darüber reden möchte:
    Szenario 1) Er teilt uns mit, dass er nicht darüber reden will. Wir respektieren seine Entscheidung, nehmen es nicht persönlich und verschwenden keinen weiteren Gedanken daran. Wir widmen uns anderen Freunden zu und haben Spaß. Da wir es nicht persönlich nehmen, weiß unser Freund, dass er jederzeit auf uns zukommen kann, wenn er möchte.
    Szenario 2) Er willigt ein und teilt uns mit, dass er im Moment sehr gestresst ist, weil er mit gewissen Aufgaben nicht rechtzeitig fertig wird. In diesem Fall realisieren wir, dass es ihm nicht einmal aufgefallen ist, wie er mit uns umgegangen ist. Wir bieten ihm, soweit möglich, unsere Hilfe an.
  • Weil wir die Gefühlslage unseres Freundes nicht persönlich genommen haben, fühlt er sich erleichtert und angenommen.
  • Gleichzeitig fühlen wir uns nützlich und unser Selbstbewusstsein steigt: Wir fühlen uns gut, weil wir etwas Gutes getan haben.

Und das alles passiert, weil wir uns entschieden haben, die Situation nicht persönlich zu nehmen.

 

Nichts persönlich nehmen – Immer anwendbar?

Wir können uns jederzeit für Option B entscheiden, denn in den allermeisten Fälle haben die Situationen überhaupt nichts mit uns zu tun. Selbst wenn die Situationen mit uns zu tun haben, dann sollten wir dennoch nichts persönlich nehmen, da diese externen Situationen unseren inneren Wert nicht beeinflussen können. Diese Ich-Bezogenheit, also die unbewusste Entscheidung, alles was um uns herum passiert, auf uns zu beziehen, ist laut Jean Piaget eine kindliche Eigenschaft. Da Kinder in ihren ersten Jahren bedingungslos alle Liebe bekommen und ihnen ab einem gewissen Alter Bedingungen gestellt werden, um Liebe zu erhalten (z.B. „Du musst brav sein!“), fangen Kinder an sich zu hinterfragen. Sie überzeugen sich selbst, dass sie schlecht sind und daher keine bedingungslose Liebe mehr verdient haben. Wenn Kinder erwachsen werden, gilt es zu lernen, diese Ich-Bezogenheit abzulegen. Allerdings schaffen es die meisten Menschen nicht und haben bis ins hohe Erwachsenenalter diese Ich-Bezogenheit tief in sich sitzen.

Die Kunst, nichts persönlich zu nehmen, kann auf fast alle Situationen des Lebens angewendet werden. Wir kennen meistens nicht den Hintergrund einer Situation. Wenn wir uns entscheiden, Situationen persönlich zu nehmen, dann werden diese auch real, weil wir ihnen genau so entgegentreten, als seien sie real. Wenn wir uns jedoch entscheiden, nichts persönlich zu nehmen, können wir die Situation objektiv betrachten und diese besser entschärfen, dies wird dann die Realität, die wir uns aussuchen. Die Kunst, nichts persönlich zu nehmen, verhilft uns zu einem Gefühl der Autonomie.

 

Nichts persönlich nehmen – Mein Tipp an dich

Meditation hilft dabei, Dinge nicht persönlich zu nehmen, da sie gefühlstechnisch die Zeitspanne vergrößert, in der wir uns für eine Reaktion entscheiden können. Wie ihr meditieren könnt und warum Meditation so wichtig ist, könnt ihr hier nachlesen: Meditation – Das Allheilmittel

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