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Grenzen setzen in Beziehungen

Grenzen setzen in Beziehungen

Aufgrund des letzten Beitrags habe ich einige Resonanz von meinen Lesern erhalten. Viele Leser waren der Meinung, dass es solche (teilweise harten) Tests in einer liebevollen Beziehung nicht geben sollte. Obwohl die männlichen Leser mir in dem Punkt zustimmen, dass solche Integritätstests der Frauen existieren, verlangen sie mehr Verständnis von ihren Partnerinnen. Um solche Tests erst gar nicht ausarten zu lassen, müssen Männer es lernen, dass sie ihre Grenzen setzen müssen.

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Diesen Beitrag widme ich dem Thema „Grenzen setzen“ und er soll die Hintergründe des letzten Beitrags beleuchten.

 

 

Grenzen setzen: Fehlende Grenzen

Wenn unangenehme Situationen mit unserer Partnerin entstehen, neigen viele von uns dazu, innerlich vor diesen Situationen zu fliehen, wir verdrängen sie. Nicht wenige von uns tun so, als ob gewisse Situationen nicht stattgefunden hätten, weil sie Angst vor den Konsequenzen haben. Einige Männer verstärken sogar das unangemessene Verhalten ihrer Partnerin und konditionieren es ungewollt, indem sie bei unangenehmen Tests der Partnerin die volle Aufmerksamkeit und Bestätigung schenken. Die Gründe hierfür reichen von Verlustangst bis hin zur Angst vor Einsamkeit und können hier nachgelesen werden. Es wird der Partnerin also kein Rahmen gegeben, indem sie mit uns interagieren kann, sondern wir „hoffen“ auf ihr Verständnis und ihre Einsicht.
Wie soll uns unsere Partnerin denn bitte verstehen und ihr Verhalten einsehen, wenn wir ihr nicht mitteilen, was uns stört? Und viel schlimmer ist: Wie soll unsere Partnerin mit ihrem unangemessenen Verhalten aufhören, wenn wir ihr doch bei jedem Mal signalisieren, dass es in Ordnung ist?

Als Veranschaulichung dieses Problems nehme ich Anna und Bernd aus dem letzten Beitrag:

Anna testete Bernd fortwährend in Gruppentreffen. Obwohl Bernd diese Tests von Anna bemerkte, war auch er es, der seine Grenzen nicht deutlich machte. Aus Angst vor Konflikten und da Bernd sehr harmoniebedürftig ist, verstärkte er sogar Annas Verhalten, in dem er ihr in solchen Momenten immer die Bestätigung mit einem krampfhaft erzwungenen Lächeln gab. Er gab ihr mit seinem Lächeln die Erlaubnis, sich ihm gegenüber weiterhin so zu verhalten.

 

 

Grenzen setzen: Wenn die Tests unangenehm werden

Solange die Tests subtil sind, d.h. dass nicht beleidigt wird und der Partner immer noch mit Respekt und Wertschätzung behandelt wird, sollte der Mann sich auf diese Integritätstest freuen und sie mit Gelassenheit entgegennehmen.

Annas Tests sind jedoch sehr unangenehm und verletzend, dies hängt zum einen von ihrem Selbstwert ab und zum anderen davon, wie sehr sich Bernd selbst respektiert und solche Tests zulässt.
Wenn eine Frau sich selbst als minderwertig sieht und wir mit ihr verkehren, wird sie in den meisten Fällen unbewusst davon ausgehen, dass wir ebenfalls Tendenzen zur Minderwertigkeit haben, da wir ja ansonsten nicht mit ihr verkehren würden. Dies alleine führt jedoch nicht zu diesen unangenehmen Tests, von denen hier die Rede ist. Erst, wenn wir jemand sind, der unserer Partnerin alles durchgehen lässt, ohne uns durchsetzen zu können, dann ist das eine ungünstige Kombination.

Jeder, der einmal miterlebt hat, wie ein schüchterner Mann von seiner „asozialen“ Freundin lauthals angeschrien und beleidigt wurde, versteht die Auswirkungen einer solchen Kombination. Schwer zu glauben, doch auch diese Beleidigungen fingen einst mit unangenehmen Tests an, die wir nicht meistern konnten.

 

Grenzen setzen: Aber wie?

In diesem Teil komme ich zu dem Punkt, den meine Leser ansprachen. Grenzen müssen und sollen nicht hart gesetzt werden.
Ein einfaches Gespräch, in dem offen und ehrlich kommuniziert wird, dass das jeweilige Verhalten der Partnerin als unangemessen empfunden wurde, reicht in den allermeisten Fällen bereits aus. Allerdings sollte folgendes beachtet werden:

Wer bereits zum Anfang seiner Beziehung keine Grenzen gesetzt hat und alles toleriert hat, der darf sich nicht wundern, auf heftige Reaktionen seitens der Partnerin zu stoßen, wenn er anfängt, Grenzen zu setzen. Der Grund ist, dass es inkongruent wirkt. Niemand, der sich gestern noch alles gefallen ließ, kann uns heute glaubhaft versichern, dass er sich allem widersetzt. Die Grenzen sollten daher entweder bereits am Anfang gesetzt werden oder in langsamen Schritten, falls wir schon mitten im Geschehen sind.

 

 

Grenzen setzen in Beziehungen: Ein Beispiel

Du sitzt mit deiner Freundin und ihren Eltern am Esstisch und deine Freundin kritisiert dich in einem herabwürdigenden Ton vor ihnen. Normalerweise hast du das immer geduldet und ihr Recht gegeben, dich zu kritisieren. Nachdem Lesen des Artikels fällt dir auf „Ha! Da war ja noch was, Grenzen setzen sollte ich!“ und du sprichst deine Freundin (im Beisein ihrer Eltern) darauf an, dass du es als unangemessen empfindest, vor ihren Eltern kritisiert zu werden. Du bietest ihr die Option, dass sie ihr Anliegen auch nach dem Abendessen unter vier Augen klären kann. Willigt sie ein, dann vermittelst du ihr nach dem Abendessen, dass du so nicht behandelt werden möchtest; du sagst ihr, dass du ihren Standpunkt verstehst, aber dass du es nicht akzeptierst, vor anderen auf deine Schwächen hingewiesen zu werden. Willigt sie nicht ein und kritisiert dich weiterhin in einem herabwürdigenden Ton, dann bedankst du dich bei den Eltern für das tolle Abendessen, ziehst dir deine Schuhe an und verlässt den Raum: Lasse ab hier deine Taten für dich sprechen.

 

Bei so einem Szenario ist es wichtig, wie unangenehm dieses für uns ist. Ist es nur ein leichter Integritätstest oder spüren wir einfach nur die Unsicherheit hinter den Aktionen unserer Partnerin, dann reagieren wir liebevoll und gelassen, denn das ist genau das, was unsere Partnerin braucht: Unsere Liebe und unsere Gelassenheit. Ist die Aktion eher unangenehm, dann verdeutlichen wir unseren Standpunkt. Das ist der kleine, aber feine Unterschied.

 

 

Grenzen setzen: Anmerkungen

Ich sehe so viele schöne Beziehungen mit Potential, die in die Brüche gehen, weil keiner der Partner die Stärke besitzt, einen Standpunkt zu vertreten. Dabei ist „Grenzen setzen“ nichts Verkehrtes. In einer Beziehung erziehen sich beide Partner immer gegenseitig. Wenn wir unserer Partnerin keine Grenzen setzen und ihr nicht das unangemessene Verhalten deutlich machen, dann nehmen wir ihr die Chance, sich zu entwickeln. Das selbige gilt auch für unsere Partnerin, wenn sie uns nicht darauf hinweist, dass unser Verhalten in bestimmten Situationen unangemessen ist.

Frauen fühlen sich zudem sicher, wenn sie wissen, in welchem Rahmen sie handeln können. Und wenn eine Frau sich sicher fühlt, fühlt sie sich in der Regel auch geliebt.

Grenzen setzen ist sehr wichtig. Dies soll aber nicht heißen, dass wir nur noch Grenzen setzen und unsere Partnerin damit überfordern. Eine Beziehung ist wie ein Garten, der gepflegt werden muss. Das Unkraut rauszuziehen (Grenzen setzen) ist hierbei wichtig, jedoch sollten wir viel öfter die schönen Blumen gießen (Wertschätzung entgegenbringen).

 

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