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Besonders sein – Die Lüge enttarnen

Nachrichten, Podcasts, Werbung, Social Media. Heutzutage werden wir mit Informationen überflutet. Überall sind wir einer Fülle von Informationen ausgeliefert. Wir merken es nicht einmal mehr, aber diese ganzen Informationen müssen wir auch filtern: Unser Gehirn arbeitet also permanent daran, zu entscheiden, welche Informationen wichtig sind und welche nicht. Besonders Medien machen sich diesen Umstand zunutze: Es wird nur noch das gezeigt, was sich verkauft: Uns werden die Schönsten der Schönen gezeigt, wir sehen, wie Reiche noch reicher werden, wie peinliche Stars sich dieses Mal noch heftiger blamieren, wie schrecklicher und gemeiner unsere Welt doch wird. Sie zeigen uns nur noch … Extreme.

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Wir werden also täglich bombardiert mit Nullen oder Einsen, d.h. mit zwei Extremen. Entweder sehen wir das Beste vom Besten oder das Schlimmste vom Schlimmen. Etwas, was also durchschnittlich und normal ist, wird nicht mehr gezeigt, denn das würde unser Hirn rausfiltern und das würde auch keine Aufmerksamkeit erzeugen. Leider entwickelt sich in unserer Gesellschaft dadurch auch der Glauben, dass „normal“ und „durchschnittlich“ keine Aufmerksamkeit mehr wert ist. Alle wollen überdurchschnittlich, extrem, besonders, perfekt, einzigartig, super-individuell sein.

Um dir die Bedeutung dessen zu verdeutlichen, worauf ich hinauswill, hier ein Beispiel: Du hast einen scheiß Tag und öffnest Facebook. In Sekundenschnelle wirst du mit Tausenden von Fotos und Videos bombardiert: Dein Erzfeind seit dem Kindergarten hat die Frau seines Lebens geheiratet, der kleine Rotzbengel von nebenan hat mit seiner App gerade eben eine Million Euro verdient, deine Ex hat sich frisch verlobt und ist überglücklich. Und du sitzt da auf der Klobrille mit dem Handy in der Hand.

Was passiert wohl mit dir, wenn du dich täglich solchen Extremen widmest? Wenn du ständig nur siehst, wie gut es anderen geht?

Die Antwort: Du bekommst langsam aber sicher das unangenehme Gefühl, das mit dir etwas nicht stimmt und das frisst dich von innen auf. Dein Gehirn vergleicht dich nämlich ständig mit deiner Umgebung, denn es will dir ein Gefühl davon vermitteln, auf welcher Stufe der sozialen Hierarchie du stehst.  Und wenn es jeden Tag sieht, wie gut es den anderen geht, während es dir selbst schlecht geht, dann sieht dein Gehirn, dass du ziemlich weit unten stehst. Und interessanterweise passt sich dein ganzer Körper diesem Glauben dann auch an: Du gehst geduckter, redest leiser, fühlst dich aus unerklärlichem Grund unsicher. Komischerweise bist du dann auch gestresster, unglücklicher, deine Verdauung arbeitet langsamer. Und das alles nur, weil dein Gehirn sich mit anderen (Lügen)Geschichten aus sozialen Medien vergleicht und deinem Körper diese Signale sendet: „Hey du, wir sind auf der untersten Hierarchie-Ebene, wir müssen um unser Überleben kämpfen. Schalte mal bitte den Stress-Modus an“.


Auch wenn du die Stimme in dir vielleicht nicht hören kannst, sie flüstert dir ganz unmissverständlich zu: „Den Anderen geht es nicht immer so schlecht wie dir. Die anderen haben ein ausgefülltes und cooles Leben! Sieh doch mal, wie viel die anderen unternehmen! Nur dir geht es so oft schlecht. Nur dein Leben ist so durchschnittlich, so langweilig! Schau doch, wie glücklich die anderen sind! Mit dir muss doch etwas nicht stimmen.“ Wer kennt bitte nicht dieses Gefühl? Das Gefühl, komisch zu sein? Nicht dazuzugehören?

Um dieses Gefühl zu kompensieren, findet jeder Mensch seine eigene Lösung. Und ja, da bist du nicht alleine. Heutzutage denken mehr Leute denn je, dass mit ihnen etwas nicht stimmen würde. Gerade eben weil wir globaler und vernetzter leben und dadurch mehr Situationen ausgeliefert sind, in denen wir uns mit anderen vergleichen können. Und je häufiger wir nur die Extreme sehen und unser Leben mit diesen vergleichen, desto abgeschnittener und komischer fühlen wir uns: Wir fühlen uns einfach nicht besonders und denken, dass wir dadurch keine Aufmerksamkeit verdient hätten. Wir sind gefangen in der Lüge, dass wir ebenfalls besonders sein müssen, um Aufmerksamkeit (und damit auch Liebe und Bestätigung) zu erhalten. Also kommen wir allesamt auf ziemlich dumme Ideen, die ich im nächsten Abschnitt erläutern werde.

Was tun also die Menschen, um dieses Gefühl zu kompensieren?
Die einen schlafen mit so vielen Frauen, dass am Ende ihre Geschlechtskrankheiten zu einem neuen Supervirus mutieren, der ‚The Walking Dead‘ als Kinderserie wirken lässt. Die anderen sammeln Statusobjekte und prahlen bei jeder sich bietenden Möglichkeit damit rum. Wiederum andere nennen sich voller Stolz „Perfektionisten“, weil sie denken, wenn sie alles richtigmachen, sind sie besonders und dann würden sie auch die Liebe bekommen, die sie sich wünschen. Einige planen ihre Urlaube so, dass ihnen die Instagram-Fotos möglichst viele Likes einbringen werden. Wiederum andere arbeiten ständig an sich, besuchen Hunderte von Seminaren zur Persönlichkeitsentwicklung, lesen zig hunderte von Büchern, nur um sich damit von anderen abheben zu können und sind wie besessen von der Selbstoptimierung, ohne überhaupt zu wissen, warum sie das alles machen. Und sie alle machen das aus dem Antrieb heraus, etwas Besonderes sein zu wollen.
Niemand, der sich selbst genug ist, schläft mit hunderten von Frauen.
Niemand, der sich selbst genug ist, verspürt ständig Druck, sich selbst zu optimieren.
Niemand, der sich selbst genug ist, muss ständig mit Statusobjekten rumprahlen.

Dies ist die eine Seite der Medaille. Doch es gibt auch andere Menschen, denen es schlichtweg zu schwierig ist, eine Eins zu sein. Sie nehmen dann lieber das andere Extrem. Wie das geht, fragst du? Na, ganz einfach. Wenn sie schon nicht mit Statussymbolen, einer Reise nach Australien oder mit ihrem Beachbody ihre Einzigartigkeit hervorheben können, dann doch bitte mit ihrer Leidensgeschichte – das sind die Opfer.

Opfer haben es sich zur Gewohnheit gemacht, möglichst über alles zu meckern und alles negativ zu sehen, denn sie wissen aus Erfahrung, dass das ihnen Aufmerksamkeit beschert. Ihre Welt dreht sich nur darum, wie sie mal von irgendeinem Fremden angeschnauzt wurden, weil sie auf der falschen Fahrradseite fuhren. Am liebsten sind mir natürlich jene, die ihre Vergangenheit nicht loslassen können und alles auf ihre Eltern, ihre Schule oder ihre ehemaligen Freunde schieben:  

„Nur weil meine Ex mich betrogen hat, kann ich keiner Frau mehr vertrauen und betrüge jede Freundin, die ich habe“
„Nur weil jemand mal scheiße zu mir war, bin ich jetzt auch scheiße zu anderen“.

Beide Arten von Menschen verbiegen sich und ihre gesamte Persönlichkeit, um so viel Aufmerksamkeit wie möglich zu erhalten. Und fragen sich am Ende stets, warum sie trotzdem das Gefühl haben, sich selbst nicht zu kennen.
Sie tun dies alles, weil sie denken, besonders sein zu müssen, um geliebt zu werden.

DIE LÜGE ENTTARNEN

Wie kann man also diesem Scheiß-Mechanismus entrinnen? Wie kann man aufhören, ständig zwischen „ich fühle mich super gut“ und „ich fühle mich wie das letzte Stück Dreck auf der Welt“ hin und her zu wechseln, nur, weil man denkt, etwas Besonderes sein zu müssen?

Die Antwort ist einfach, aber nicht leicht: Du musst dir erst einmal selbst eingestehen, dass du nichts Besonderes bist. Boom, der hat gesessen, wa? Ne, mal im Ernst: Erst einmal können wir nicht alle besonders sein, denn das würde heißen, dass niemand es ist. In diesem Szenario wird es also zwangsläufig Gewinner und Verlierer geben. Und zweitens musst du auch nicht besonders sein. Denk mal drüber nach. Hinterfrage dich, warum du überhaupt „besonders“ sein willst. Du willst doch eigentlich nur Aufmerksamkeit und das, was wir alle wollen: geliebt werden. Und dafür musst du nichts außergewöhnlich gut können, aber du musst auch kein verdammtes Opfer spielen.

Schau dir einfach dazu mal Babys an. Neugeborene sind sowas von niedlich, pure Liebe. Jeder will sie knuddeln und in die Wagen kneifen (bitte nicht machen, field-tested). Sie bekommen all unsere Liebe. Müssen Babys dafür besonders sein? Nein, eben nicht. Die meisten Babys sehen sich einfach alle ähnlich, allen läuft ab und zu der Schnodder aus der Nase, ihre Windeln riechen auch alle gleich, wenn sie voll sind und sie haben auch alle dieses dümmlich süße Grinsen im Gesicht, wonach wir alle verrückt sind. Sie sind nichts Besonderes, aber trotzdem werden sie geliebt.

Wenn du vielleicht eine Sache mitnehmen kannst aus diesem Post, dann bitte:

  • Dass du dir weniger „Social“ Media reinziehen solltest (um dich somit weniger mit anderen vergleichen zu können)
  • Dass du nicht perfekt oder besonders sein musst, um geliebt zu werden
  • Dass Babies süß sind

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