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Bedürfnisse erkennen und erfüllen

Bedürfnisse erkennen: Warum es „schwer“ ist, sie zu erkennen

Um die eigenen Bedürfnisse erkennen zu können, müssen wir uns die Vergangenheit anschauen. Als Kinder sind wir abhängig, da unsere Bedürfnisse (z.B. gestillt zu werden) von anderen erfüllt werden müssen. Es passiert jedoch häufig, dass die Bedürfnisse eines Kindes nicht vollständig oder nicht zeitnah befriedigt werden. Ein Kind, das dies erlebt, fängt an sich zu hinterfragen. Es gelangt zur naiven Schlussfolgerung, dass dessen eigenen Bedürfnisse nicht wichtig sind, da sie ja sonst angemessen erfüllt worden wären.

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Mehr noch: Es denkt, es sei falsch, diese Bedürfnisse zu haben, da es ohne diese Bedürfnisse keinen Schmerz erlitten hätte. Aus dieser Naivität heraus erschafft es sich ein unpassendes Weltbild, das bis ins hohe Erwachsenenalter hält:

„Wenn ich es schaffe, nicht bedürftig zu wirken und wenn ich anderen ihre Bedürfnisse erfülle, dann werde ich geliebt und anerkannt“.

Erwachsene mit diesem Weltbild erkennt man daran, dass sie ständig lächeln und versuchen, entspannt und vor allem bedürfnislos zu wirken. Solche Männer nennt man auch New-Age-Softies oder auch Nice Guys. Legenden zur Folge tragen sie Mark-Foster-Kappen und bezeichnen sich gerne als alternativ.

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Bedürfnisse erkennen durch versteckte Verträge

Diese Männer stecken in einem Dilemma: Auf der einen Seite haben sie Bedürfnisse und wollen diese erfüllt bekommen, auf der anderen Seite dürfen sie nicht zeigen, dass sie bedürftig sind. Um dies zu bewerkstelligen wird oft auf „versteckte Verträge“ zurückgegriffen: Sie erfüllen die vermeintlichen Bedürfnisse der anderen, nur um ihre eigenen Bedürfnisse erfüllt zu bekommen. Diese Verträge funktionieren folgendermaßen:

  1. Wir geben unserem Gegenüber genau das, was wir uns insgeheim selbst wünschen (Geschenke, Aufmerksamkeit, Liebe).
  2. Wir kommunizieren dabei unsere Bedürfnisse nicht deutlich, sondern warten unbewusst darauf, dass wir selbiges zurückbekommen.
  3. Bekommen wir es nicht oder nicht in dem Maße zurück, wie wir es uns erhoffen, fühlen wir uns hintergangen. Wir „bestrafen“ dann unseren Gegenüber, indem wir ihm Aufmerksamkeit entziehen, wütend werden oder ihn meiden. 

Versteckter Vertrag

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Ein simples Beispiel hierfür wäre: Wir sagen zu unserer Partnerin „Ich liebe dich“, nur um von ihr ein „Ich liebe dich auch“ zu hören.

Versteckte Verträge funktionieren nicht. Erstens, weiß der Gegenüber nicht, was wir von ihm erwarten, da wir es nicht klar kommunizieren. Und zweitens, fühlt sich der Gegenüber emotional verschuldet. Diese emotionale Verschuldung führt bei Frauen meistens dazu, dass sie den Mann von sich stoßen, da sie sich nicht in der Lage fühlen, ihm alles zurückzahlen zu können.

 

Bedürfnisse erkennen: Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl

Ich kenne so viele intelligente, gutherzige Männer, die in einer Gruppengemeinschaft kein Wort mitzureden haben, wenn es um eine Entscheidung des Abends geht.
Rafael ist ein gutes Beispiel hierfür: Rafael ist ein sehr gebildeter Mensch. In unserer Gruppe hat er den höchsten universitären Abschluss, eine vielversprechende Karriere und auch eine richtig umwerfende Freundin. Doch immer, wenn wir einen Männerabend planten, hielt Rafael sich bedeckt und brachte sich bei der Planung nicht ein. Er verfiel in Schockstarre und machte den Eindruck eines ängstlichen Schülers, der vom Lehrer zur Beantwortung einer schwierigen Frage ausgewählt wurde.

Am Anfang unserer Freundschaft hatte die Gruppe bei jeder Entscheidung darauf gewartet, dass Rafael sich einbringt und seine Meinung äußert. Er erschien uns allen wie ein kreativer, unternehmungslustiger Typ, der uns Neues zeigen könnte.

Da Rafael sich jedoch jedes Mal bei der Entscheidung enthielt, fingen wir an, ihn nicht mehr miteinzubeziehen und gestalteten unsere abendlichen Pläne ohne ihn. Wir taten dies nicht mit Absicht, viel mehr erinnerten wir uns an seine Passivität und hatten das Gefühl, ihm seine Entscheidung abnehmen zu müssen. Rafael wurde unweigerlich mehr und mehr uninteressant und unwichtig für die Gruppe und fühlte sich ausgestoßen.

Wieso ist das so passiert?

Wenn wir unsere Bedürfnisse nicht wichtig nehmen, nehmen wir uns selbst nicht wichtig.

Rafael hatte insgeheim Wünsche, die er jedoch aus Angst vor Ablehnung selten äußerte. Rafael hatte die Sorge, es sei egoistisch, wenn er all die Bedürfnisse der anderen nicht respektierte. Also stellte er seine eigenen Bedürfnisse hinten an. Dass dadurch kein Platz mehr für seine eigenen Bedürfnisse war, das konnte er nicht sehen. Ironischerweise wurde er gerade deshalb uninteressant für die Gruppe, weil er sich nicht einbrachte.

Wenn wir uns selbst nicht wichtig nehmen, werden uns andere Menschen auch nicht wichtig nehmen.

Andere Menschen sehen, wie wir uns selbst behandeln und nehmen dies als Grundlage, wie sie uns behandeln. Da sich Rafael selbst unwichtig war, verlor die Gruppe jegliche Motivation, ihn besser zu behandeln, als er es selbst tat.

 

Bedürfnisse erkennen: Wie mache ich es richtig?

Erkenne, dass Bedürfnisse zu haben nichts Schlechtes ist. Im Gegenteil: Unsere Bedürfnisse machen uns menschlich. Daher gilt es auch, sich selbst um die Erfüllung seiner Bedürfnisse zu kümmern und diese an erste Stelle zu setzen. Wenn du Angst hast, dass dich andere danach ablehnen könnten, dann realisiere, dass nicht deine Rationalität spricht, sondern in diesem Falle das kleine verletzte Kind in dir. Niemand wird dich verlassen, nur weil du dich dazu entschieden hast, dich glücklich zu machen.
Menschen, die sich selbst an erste Stelle setzen wirken attraktiv. Menschen, die zu viel Angst haben und es nicht können, rechtfertigen solche Verhaltensweisen mit Egoismus. 

Kein anderer wird dir deine Bedürfnisse erfüllen. Du alleine bist dafür zuständig, dass du glücklich bist.

 

„Ich bin der einzige Mensch, den ich zufriedenstellen muss“

– Robert A. Glover, „Nie mehr Mr. Nice Guy“

 

Bedürfnisse erkennen: Mein Tipp an dich

Stelle eine Woche lang deine Bedürfnisse an erste Stelle. Du musst sie weder aggressiv noch passiv kommunizieren, du tust stattdessen so, als ob es das Normalste auf der Welt sei, deine Bedürfnisse an erste Stelle zu setzen. Teile, wenn nötig, deinen Mitmenschen mit, dass du in dieser Woche an dir selbst arbeiten willst und lasse dir von niemandem ein schlechtes Gewissen einreden.
Frage dich mehrmals am Tag Folgendes: „Was will ich? Was würde mich jetzt glücklich machen?“. Das Ziel dabei ist, dich selbst wichtig zu nehmen und somit eine bessere Beziehung zu dir selbst aufzubauen.
Zusätzlich solltest du folgenden Artikel durchlesen: Das Prinzip der Selbstliebe

 

Ich hoffe, dir hat dieser Beitrag gefallen. Wenn du dich tiefer in die Materie einarbeiten möchtest, empfehle ich dir das Buch von Robert A. Glover, „Nie mehr Mr. Nice Guy“. 

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